In der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar

Veröffentlicht am 05. Okt. 2010

Manchmal begegnen einem Dinge, von denen man denkt, die kann es nicht geben, beispielsweise eine Bibliothek, die sich allein der Sammlung phantastischer Literatur aus aller Welt in deutscher Sprache widmet. Es gibt sie in Wetzlar, rund 70 Kilometer von Frankfurt am Main entfernt. Mehr als 200.000 Titel aus dieser Literatursparte sind in der liebevoll eingerichteten Bibliothek zu Hause. Sie wurde 1987 gegründet, gesammelt werden u.a. Märchen, Sagen/Mythen, Fantasy, Science Fiction, Horror und utopische Literatur. Angeschlossen ist ein Kultur-, Wissenschafts- und Bildungszentrum, veranstaltet werden Tagungen, Seminare und Workshops, darunter die jährlich stattfindenden “Wetzlarer Tage der Phantastik”, bei denen auch ein Literaturpreis verliehen wird.  Wenn ich denn Zeit hätte, würde ich in dieser Bibliothek gern eine Weile oder länger stöbern. Die Sache mit der Zeit klappt auch hier an unserer vorletzten Reisestation nicht. Die Bibliotheks-Leiterin Bettina Twrsnick erzählt mir, dass dies weltweit die einzige Bibliothek ist, die phantastische Literatur sammelt, finanziert wird dies durch eine Stiftung und  Fundraising. Heute wird hier erstmals ein Film gezeigt. Im Publikum sind viele Besucher, die in der Volkshochschule, die Mitveranstalter des Abends ist, Spanisch lernen. Ein argentinischer Besucher freut sich, endlich einmal wieder den vertrauten Sprachklang seiner Heimat zu hören. Den Zuschauern gefällt “Hermanas”, wie ich der Diskussion danach entnehme. Viele sind auch davon angtetan, dass in Wetzlar ein solcher Film gezeigt wird. Es gibt in der Stadt zwar ein kommerzielles Kino, doch Filme wie “Hermanas” laufen dort nicht. Frau Twrsnick erzählt mir am nächsten Morgen, dass einige Besucher sie gefragt haben, ob man solche Filmabende in Wetzlar nicht öfter anbieten kann. Und schon sind wir im Gespräch darüber, wie man das organisieren kann, was man an Geräten braucht und wie sich ein solches Angebot mit den Kosten tragen kann.  Sollte diese Idee umgesetzt werden, würde es mich sehr freuen. In meinem Hinterkopf saß bei dieser Reise die leise Hoffnung, dass hier und da die Idee aufgegriffen wird, gute Filme an Orten zu zeigen, wo sie bisher nicht oder selten zu sehen sind. Eine Idee, die in einer Phantastischen Bibliothek wie in Wetzlar sicher sehr gut platziert wäre.


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