Finale: Literarisches Filmprogramm zur Buchmesse im Instituto Cervantes
Veröffentlicht am 12. Okt. 2010

Endstation Frankfurt, erreicht nach über sechs Wochen unterwegs. Hier beginnt gerade die Buchmesse, auf der Argentinien Ehrengast ist. Wir haben ein kleines literarisches Programm im Gepäck, das wir im Instituto Cervantes vorstellen. Es handelt sich um die erste und die jüngste Verfilmung einer Kurzgeschichte von Julio Cortázar, dem großen Dichter Argentiniens: Manuel Antíns “La cifra impar” von 1962 und Diego Sabanés “Mentiras piadosas” von 2009. Beides sind Erstlingsfilme der Regisseure, beide entstanden nach Geschichten, die sich ähneln, der erste nach “Cartas de mamá”, der letzte nach “La salud de los enfermos”. Darin verschieben sich in der Erinnerung an einen verstorbenen bzw. verschwundenen Sohn
und Bruder die Grenzen zwischen der Realität und Phantasie, wobei die Außenwelt immer weniger eine Rolle spielt. Vor allem für Diego Sabanés ist dies eine Metapher für die argentinische Mittelklasse und ihr (abstinentes) Verhältnis zur sozialen Realität des Landes. Unserem Publikum gefällt dieser Film sehr gut, wie wir der Diskussion entnehmen. Die Zuschauer sehen den Film allerdings vorwiegend ohne den argentinischen Hintergrund. Sie knüpfen eher an Erfahrungen an, die es wohl in jeder Familie gibt, Dinge, über die nie gesprochen wird, weil sonst das “harmonische” Familiengefüge tiefe Risse bekommt. Wir zeigen, um dieses kleine Filmprogramm abzurunden, noch einen Dokumentarfilm von Tristán Bauer, der sich auf poetische Weise dem Dichter nähert: “Cortázar”. Auch am Samstag Abend treffen wir dabei auf ein interessiertes Publikum.
Unsere letzte Vorstellung steht am Sonntag mit einer Matinee für Kinder auf dem Programm, “El Ratón Pérez”, hier natürlich in Originalversion mit deutschen Untertiteln.Ein wunderbarer Herbsttag, die Sonne scheint, kein Kinowetter, stellen wir auf der Fahrt zum Instituto Cervantes fest und begegnen kurz davor zwei Kindern, die interessiert beobachten, wie wir um die Ecke biegen. Das werden wohl unsere einzigen Filmgäste bleiben, vermuten wir. Wir irren uns, zu diesen beiden gesellen sich andere, darunter Jugendliche, die Spanisch lernen. Wir freuen uns über unsere letzten Zuschauer in Deutschland und finden, dass Filme im Original eine sehr gute Ergänzung für jeden Sprachunterricht sind.
Danach besuche ich auf der Buchmesse den argentinischen Pavillon. Die Präsentation der argentinischen Literatur gefällt mir besser als die Vorstellung Argentiniens selbst. Was mir jedoch an der Präsenz des Landes als Ehrengast am wichtigsten erscheint, das sind die 100 Bücher, die anlässlich der Buchmesse aus dem argentinischen Spanisch ins Deutsche übersetzt wurden. Gustavo und Daniel bringe ich am Abend zum Flughafen, sie fliegen zurück. Adios, wir sehen uns bald, in Córdoba, in Argentinien. Wer Lust hat, weitere argentinische Filme in Frankfurt zu sehen, dem sei das Montagskino im Instituto Cervantes empfohlen. Noch bis Mitte November laufen dort Filme aus unserem Programm.