Special Buchmesse
Drei Filme zu Julio Cortázar im Instituto Cervantes Frankfurt
Julio Cortázar, neben Jorge Luis Borges der berühmteste Dichter Argentiniens, lieferte viele Vorlagen für Verfilmungen. Die vielleicht bekanntesten sind Michelangelo Antonionis ‚Blow Up“ und Jean-Luc Godards „Weekend“. Auch in Cortázars Heimatland Argentinien (sein Geburtsort Brüssel gilt eher als Versehen) gibt es mehrere Verfilmungen seiner Erzählungen. Für das Programm des Cine Móvils zur Frankfurter Buchmesse, auf der Argentinien Ehrengast ist, sind zwei Filme ausgewählt, die auf Kurzgeschichten Cortázars mit ähnlichen Themen basieren. In beiden geht es um eine Familie, die getrennt wird, weil ein Sohn ins Ausland geht, wobei sich mit der Distanz die Realität, Erinnerung und Imagination auf beiden Seiten des Atlantiks undurchdringlich verstricken.
La Cifra Impar (Die ungerade Zahl)
Manuel Antin realisiert Anfang der 60er Jahre die erste Verfilmung einer Erzählung von Julio Cortázar, die nach „Cartas de Mamá“ entsteht. Laura und Luis leben in Paris, verfolgt von der Vergangenheit in Buenos Aires, als Laura noch die Freundin von Luis Bruder Nico war. Mamá schreibt ihnen alle 14 Tage und hält mit ihren Briefen die Erinnerung an Nico wach, der wenige Tage nach der Heirat von Laura und Luis starb. Der Film nimmt Luis Perspektive ein und zeigt, wie in der Distanz und Erinnerung der Bruder lebendiger denn je wird und die Beziehung des Paares zerstört. Auch für die kranke Mamá in Buenos Aires vermischen sich Realität und Phantasie. Eines Tages kündigt sie den Besuch von Nico in Paris an.
Regie: Manuel Antin, 1962, 90 Minuten, schwarz-weiß, Original mit englischen Untertiteln
Instituto Cervantes, Staufenstr.1, 60323 Frankfurt, Mittwoch, 6. Oktober, 19.00 Uhr
Mentiras Piadosas
Diego Sabanés realisiert mit seinem Spielfilm-Debut die jüngste Verfilmung einer Erzählung von Cortázar, frei nach der Erzählung „La Salud de los Enfermos“. Pablo, Mamás Liebling, reist Ende der 50er Jahre nach Paris. Seine Geschwister Jorge und Nora verheimlichen der kränkelnden Mamá in Buenos Aires, dass es keine Nachrichten von ihm gibt. Sie erfinden Briefe von Pablo über sein erfolgreiches Leben, die sie der Mamá vorlesen. Die will, dass Pablo zurückkehrt und Patricia, seine frühere Freundin, heiratet. Doch Patricia findet inzwischen Gefallen an Pablos Bruder Jorge. Die Geschwister aber verstricken sich mehr und mehr in das Netz ihrer Phantasie, bis sie nicht mehr zwischen Fiktion und Realität unterscheiden und in einer zweiten Realität leben, bei der für die Außenwelt samt ihrer zerbrechenden wirtschaftlichen Existenz kein Raum mehr ist.
Regie: Diego Sabanes, 2009, 100 Minuten, Farbe, Original mit englischen Untertiteln
Instituto Cervantes, Staufenstr.1, 60323 Frankfurt, Freitag, 8. Oktober, 19.00 Uhr
Cortázar (Cortázar)
In zwei Dokumentarfilmen setzt sich Tristán Bauer mit den beiden großen argentinischen Dichtern, Jorge Luis Borges und Julio Cortázar, auseinander. Bei „Cortázar“ übernimmt er neben der Regie auch das Buch, die Kamera und den Schnitt. In einer langjährigen Recherche gelingt es ihm, auch bisher unbekanntes Material über den Schriftsteller aufzufinden und in den Film zu integrieren. Entstanden ist eine Hommage an Julio Cortázar, die subtile Erforschung seines Lebens, seiner politischen Ansichten, seiner Werke, mit Interviews, Textauszügen und Tonband-Aufnahmen seiner Stimme.
Regie: Tristán Bauer, Dokumentarfilm, 1994, 65 Minuten, Farbe, Original mit englischen Untertiteln
Instituto Cervantes, Staufenstr.1, 60323 Frankfurt, Samstag, 9. Oktober, 19.00 Uhr



